„Räuber“ an der AFR – Schiller ist Augenzeuge

Die Theatergruppe der AFR Aiterhofen brachte mit „Snake One“ eine bemerkenswerte Version von Friedrich Schillers „Die Räuber“ zur Aufführung
Das hätte sich Friedrich Schiller (herausragend dargestellt von Achtklässler Philipp Schmid) nicht träumen lassen: Vom Amt als „arbeitsloser Künstler“ geführt, gerät er 2019 zufällig in eine Aufführung seines Werkes „Die Räuber“. Oder ist es nicht auch das wahre Leben, welches er aus dem Off betrachtet und kommentiert?

Nun, die Grundstruktur seines Dramas blieb gleich und ihm wohlbekannt:
Zwei ungleiche Söhne, die um die Gunst des Vaters buhlen; eine teuflische Intrige, Liebe und eine wilde Räuberbande, bei der die Grenzen zwischen moralisch vertretbarem Handeln und ablehnenswertem Unrecht verwischen – dies alles kommt dem zeitreisenden Schiller bekannt vor. Doch die Szenerie wurde der modernen Zeit angepasst. Mignon Dobler, Leiterin der Theatergruppe, verband Passagen aus dem Originaltext geschickt mit der heutigen Jugendsprache, versetzte die „Räuber“ nach Straubing ins Jahr 2019, ließ statt Soldaten das Jugendamt zu der straffällig gewordenen Räuberbande „Snake One“ kommen, die dementsprechend auch nicht mehr Tafelsilber und Gemälde, sondern Tablets und HD-Fernseher klauten und statt Briefe zu schreiben lieber auf der Suche nach einem stabilen Netz fürs Versenden ihrer WhatsApp-Nachrichten waren.

In dieser neuen Fassung wird der Vater nach seinem Zusammenbruch, den er aufgrund des vermeintlichen Todes seines Sohnes Karl erlitten hat, in ein Pflegeheim gebracht. Sein Erbe will nämlich sein hinterhältiger Sohn Franz (überzeugend fies: Simon Gabriel) erschleichen; der rechtschaffende Karl (gut verkörpert von Philipp Groitl) hingegen gerät durch die Intrige seines Bruders an eine Räuberbande. Obwohl er eigentlich nur zu seiner Freundin Amalia zurückwill, fühlt er sich aber durch den Schwur an die Räuber gebunden. Während die anderen Gangmitglieder die anfangs gefassten Vorsätze, ihre Beute wie Robin Hood den Bedürftigen zu geben, über Bord werfen und nur noch zum eigenen Nutzen klauen und plündern, verzweifelt Karl immer mehr. Nach einem effektvoll inszenierten Showdown mit der örtlichen Polizei erfährt er zufällig von der Intrige seines Bruders. Er beschließt, mit Hilfe der Räuberbande seinen Vater aus dem Pflegeheim zu befreien. Amalia (Susanne Gsottberger, welche ihre Figur hinreißend um Karl trauern ließ) will ihren Freund zur Umkehr in ein redliches, bürgerliches Leben überreden; Schiller ist entzückt, dass es nun doch ein „richtiges Drama“ geworden ist – und Karl? Karl weiß nicht, was er tun soll. Mit einem offenen Schluss, der die begeisterten Zuschauer zum Nachdenken über Recht und Unrecht, Pflicht und Treue anregte, endete dieses Stück. Die Leistung der Realschüler war überzeugend, wie der Jubel im Publikum bestätigte. Die bewährte, bunt gemischte Truppe von Siebt- bis Zehntklässlern verstand es, das Drama aus dem Jahr 1782 angemessen und mit einer ordentlichen Portion Humor vermischt in die heutige Zeit zu transportieren.

Besonders stimmig wirkte das Stück – neben der effektvoll eingesetzten Licht- und Tontechnik – vor allem auch durch die musikalische Untermalung von Musiklehrer Marius Sachse zusammen mit Achtklässlerin Rabea Christl, welche nicht nur das Gang-Mitglied „Snake 41“ verkörperte, sondern auch noch an den Drums agierte. Zum Thema passte auch das Catering, für das der Elternbeirat der Angela-Fraundorfer-Realschule seiner Fantasie freien Lauf ließ und ein echtes Räubermahl zubereitet hatte.

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